VERGANGENE OSTBLOCK-FAHRZEUGTREFFEN

1. Boxermotor- & Ostblock-Treffen 2002

Bericht vom 1. Boxermotor- & Ostblock-Treffen

Aus einer kleinen Spinnerei heraus entstand die Idee zu diesem Treffen. Andreas und ich stellten durch Zufall fest, dass wir beide dieselben Interessen teilten, alte Motorräder, vorrangig russischer Bauart. Wir phantasierten etwas herum und stellten uns vor, ein Treffen für solche Motorräder zu veranstalten. Da hier im Nordosten wenig bis gar nichts in dieser Richtung los ist, wäre so etwas sicher sehr ansprechend. Oft und lange saßen wir zusammen und tüftelten an diesem Meeting. Klar war, das dieser ehem. russische Fliegerhorst ideal für ein Treffen osteuropäischer Fahrzeugfabrikate ist und genug Interessantes für alle Besucher bieten würde. Wir weiteten das Treffen noch weiter aus und sagten uns: Warum nur Boxermotoren - wir wollen hier alles einladen, was irgendwann einmal im ehem. Ostblock gebaut wurde! Angefangen bei Motorrädern über Automobile bis hin zu Nutz- und Militärfahrzeugen sollte alles nach Pütnitz kommen. Es galt, viele Hürden zu bezwingen und viele Aufgaben zu erfüllen, bis es schließlich hieß - Weg frei für die Ostmobile in Pütnitz!

Lange vorbereitet und geplant, fand dieses Treffen erstmals am ersten Juli-Wochenende auf dem Gelände unseres Vereins statt. Circa 70 aktive Teilnehmer, div. Händler und knapp 1200 Tagesbesucher folgten an diesen drei Tagen unserem landesweiten und grenzüberschreitenden Aufruf. Ein besonderer Dank geht hierbei an Erik, dem Präsidenten des dänischen Ural- und Dnepr- Clubs. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass unser Vorhaben in großen Teilen Skandinaviens bekannt wurde.

Bereits am Anfang der Woche schlugen die ersten Gäste mit Ihren Familien die Zelte bei uns auf und haben das Treffen gleich mit einer Woche Ostsee-Urlaub verbunden. Einen schönen Gruß hierbei an den UAZ-Mike, auch Panzerschlosser genannt, und seine Family + Friends.

Richtig Leben kam dann am Freitag in die Bude. Es war der offizielle Start des Treffens und über den ganzen Tag verteilt bis in die späten Abendstunden traf der Großteil der Gäste mit diversen Gespannen, Solo-Maschinen, Pkw´s und Lkw´s bei uns ein. Aus allen Ecken Deutschlands, Dänemarks und Schwedens kamen die Leute zu uns nach Pütnitz und binnen kürzester Zeit waren die zwei Zeltplätze auch gut gefüllt.

Jeder bekam ein Teilnehmer-Ticket, welches einen als aktiven Teilnehmer identifizierte und welches zu allen Inkusive- Leistungen berechtigte. Dazu gehörten u.a. Frühstück am Samstag und Sonntag, Mittag am Samstag, Fahrten mit der Panzerfähre auf dem Saaler Bodden sowie Geländefahrten mit den Vereins- LKW. Zudem sind die Tickets ein kleines, schönes Andenken an dieses erste Treffen.

Der Freitagabend wurde ausgiebig genutzt, um die Zelte und Händlerstände aufzubauen, sich untereinander kennen zu lernen, zu fachsimpeln, gemeinsam zu grillen, gemütlich am Lagerfeuer zu sitzen, sich das Fahrzeug- Sammelsurium des Vereins anzuschauen und mit einigen der Vereins- LKW über die Geländestrecke zu fahren oder vielmehr sie dort drüber zu quälen. Die ganz "Verrückten" konnten die Bahn auch nutzen, um ihre eigenen Fahrzeuge mal so richtig zu fordern. Das die Idee mit der  Geländestrecke Gold wert war, hat sich daran gezeigt daß die Teilnehmer dort bis in die späten Abendstunden für Hochbetrieb sorgten.

Besonders beeindruckt war ich von der völkerverbindenden Herzlichkeit untereinander, z.B. in der Situation, in der unsere dänischen Freunde zwar Bratwürste aber keinen Grill hatten. Kurzerhand stellte "Michel" aus Weimar seinen Grill zur Verfügung, der MZ-Fan aus Thüringen (Namen weis ich leider nicht mehr) gab spontan Grillkohle dazu und zusammen wurde dann gegrillt und erzählt - so muß es sein.

Am Samstagmorgen stärkten sich alle Teilnehmer mit einem Frühstück, was auf einer solchen Veranstaltung, laut Aussage einiger Teilnehmer, seines gleichen suchte. Die Frauen des Vereins leisteten tolle Arbeit bei der Errichtung eines Buffets mit frischen Brötchen, div. Sorten Aufschnitt, Käse und Konfitüre, Kaffee und Tee. Jeder konnte soviel essen bis er/sie  satt war - und das wurde ganz bestimmt jeder.

Gut gestärkt startete gegen 9.30 Uhr der Konvoi, bestehend aus allen teilnehmenden Fahrzeugen, zu einer großen Rundfahrt über die Halbinsel Darß. Zu diesem Zeitpunkt war der Bereich vor dem Flugplatz schon von zahlreichen Tagesbesuchern gesäumt, die von so viel alter Technik begeistert waren. Einige, eigens für diesen Tag angereiste Ost-Fahrzeuge, schlossen sich spontan an. Da man bei soviel alter Technik auch mal mit dem einen oder anderen Totalausfall rechnen musste, übernahm ein KrAS am Ende des Konvois die Aufgabe des "Sammlers", der evtl. liegengebliebene Fahrzeuge bergen sollte. Dem Oldtimer-Gott sei´s gedankt, dass er nichts zu tun hatte.

Ab 10 Uhr, dem offiziellen Einlass der Tagesbesucher, galt es den gewaltigen Ansturm zu bewältigen. Die Autoschlange war teilweise mehrere  hundert Meter lang. Begrüßt wurden alle Besucher von unseren jüngeren Vereinsmitgliedern, zünftig in russischer Uniform. Die meisten Leute fanden diese kleinen Details witzig. Bis zum Mittag reiste ein weiterer Großteil von aktiven Teilnehmer an.

Der Weg vom Haupttor zum Vereins- und Veranstaltungsgelände führte quer über den historischen Flugplatz. Man fuhr über die ehem. Start und Landebahn, vorbei am alten Tower, alten Hangars und Flugzeugbunkern. Es fällt einem bei diesem Anblick nicht schwer sich vorzustellen, was für ein Betrieb zu DDR-Zeiten hier geherrscht haben muß.

Auf dem an sich schon interessanten Gelände erwartete die Leute im Vereins-Hangar ein Sammelsurium an alten Ost-Fahrzeugen. Angefangen beim guten alten SR-1 und der Schwalbe weiter zur Sport- AWO und div. Dnepr- Gespannen über den 311er Wartburg oder dem kleinen Saboroshez bis hin zu diversen Nutzfahrzeugen, schweren Militär- und Kettenfahrzeugen. Der gesamte Fahrzeugbestand des Vereins stand allen Besuchern offen. Man konnte in alle Fahrzeuge einsteigen, sie genau unter die Lupe nehmen und einige, vor allem schwere Fahrzeuge, in Bewegung sehen bzw. sie auch mal selber fahren.

Zudem kamen auch viele Besucher und Teilnehmer mit interessanten Fahrzeugen, wie z.B. die "Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Prisannewitz" mit einem knapp 50-jährigen "Phänomen"-Löschzug.

Besonders angetan hat es den meisten Leuten aber, Fahrzeuge zu sehen, die zur damaligen Zeit unsere ständigen Wegbegleiter waren, uns über Jahre treu gedient haben und die man eigentlich schon längst aus dem Gedächtnis gestrichen hatte. Hier konnte man sie wieder sehen, auch wenn manche noch in einem nicht ganz tadellosen Zustand sind. Auch die schwere Technik, wie z.B. der Panzertransporter MAS-537 mit seinen 40.000 ccm Hubraum, sorgte für allgemeines Erstaunen.

Gegen ein Uhr kehrte der Konvoi von der fast dreistündigen Inselrundfahrt zurück und die Fahrer wurden erst einmal ganz zünftig aus der Gulaschkanone mit einem kräftigen Eintopf verpflegt. Danach mischten auch sie sich unter die Menge und genossen die Eindrücke.

An beiden Tagen führte unser Stamm-Moderator Hardtmut Kühl, der uns bis jetzt bei allen (bisher kleineren) Veranstaltungen unterstützt hat, die Gäste mit guter alter (Ost)- Musik und Unterhaltung durch das Programm.

Zusammen mit unserem Vereinsvorsitzenden Torsten, der sich hier absolut in seinem Element befand, stellten und führten die beiden mehrmals täglich die imposantesten der Vereinsfahrtzeuge vor und erklärten sie bis ins Detail. Dazu zählten zweifellos das schwere Kettenfahrzeug "BAT", welches an diesem Tag so richtig gefordert wurde, die beiden Panzerfähren, mit denen Torsten auch mal mit Höchstgeschwindigkeit ins Wasser jagte  und  der russische Panzertransporter und Mega-Koloss "MAS-537", dessen Besitzer Jan, extra aus Schweden, zu diesem Treffen angereist war. Jan, ein sehr guter Freund von Torsten und dem Verein, hat dieses Fahrzeug aus Platzgründen seit Jahren hier in Pütnitz untergestellt.

Weitere interessante Stationen für Teilnehmer und Besucher waren aber auch die zahlreichen Händler, wie z.B. der "Michel" aus Weimar, der für fast jedes Ost-Fahrzeug, sei es vom Moped oder LKW, Teile dabei hatte. Bei anderen wiederum konnte man Modelle von div. Ost-Fahrzeugen, Militärutensilein wie z.B. komplette Uniformen, Helme oder auch historische Stücke bekommen.

Auch unsere kleinen Gäste kamen nicht zu kurz. Sie waren ganz heiß darauf, mal in einem der russischen Gespanne mitzufahren. Eine Tour im Seitenwagen war für sie ein ganz besonderes Erlebnis.

Der Samstagabend war ganz für die aktiven Teilnehmer da. Man unterhielt sich, saß am Ufer des Boddens und trank eine Kleinigkeit, wobei sich unsere skandinavischen Freunde als besonders trinkfest erwiesen. Andere wiederum rockten zu den Klängen der Band "Bad Penny", die an diesem Abend mehr als zwei Stunden live im Hangar spielten. Trotz der schwierige Akustik war es für die Jungs mal ganz was anderes in einem Flugzeughangar zwischen KrAS, Ural und Kettenfahrzeugen zu spielen. Wieder andere machten auf der Geländebahn die Nacht zum Tage und quälten den KrAS bis er kochte ;-)

Etwas traurig waren auch wir darüber, dass die geplante Erotik-Show leider ausfallen musste und daß der Generaldirektor mit Gefolge aus den Kiewer Dnepr- Werk  nicht, wie ursprünglich geplant, zu uns nach Pütnitz kommen konnte.

Am Sonntag folgte dann ein weiterer Höhepunkt. Dei beiden Panzerfähren wurden im Wasser zusammengekoppelt und für die Rundfahrten startklar gemacht. Vorher ließ es sich Torsten aber nicht nehmen, mit Freiwilligen oder nennen wir sie einfach "Wahnsinnige", mit hoher Geschwindigkeit ins Wasser zu fahren. Die Reaktion der Leute, als sie dann wieder festen Boden unter den Füßen hatten: "Geil,...besser als Achterbahn fahren!". In der Tat es ist dermaßen imposant zu sehen, wie fast 30 Tonnen Metall mit knapp 60 km/h ungebremst ins Wasser stürzen. Für Technikfreaks heißt das  - Gänsehaut! Über den ganzen Tag verteilt luden die Panzerfähren zu einer mal ganz anderen Rundfahrt über den Saaler Bodden ein, an der jeder teilnehmen konnte.

Ein ganz großer Erfolg an diesem Wochenende war zweifellos die aufgeschüttete Geländebahn, die Torsten mit Unterstützung und viel Mühe erst am Donnerstag vor dem Treffen fertigstellen konnte.

Über alle drei Tage verteilt stellten hier große und kleine Fahrzeuge Ihre Geländetauglichkeit unter Beweis. Auch die Teilnehmer und Besucher konnten hier einmal versuchen, einen der LKW´s durch den Parcour zu steuern.

Unsere erste Reaktion auf diese Resonanz - im nächsten Jahr wird die Bahn auf jeden Fall vergrößert, was wiederum heißt - noch mehr SPAß!

Ab Sonntagmittag verabschiedete sich der Großteil der Teilnehmer und machte sich auf den Heimweg. Ich ließ es mir nicht nehmen, im Namen des Vereins möglichst jeden einzeln zu verabschieden und ihm einen guten Heimweg zu wünschen und fast jeder sagte mir noch: "Wir kommen im nächsten Jahr wieder und bringen auch noch ein paar Leute mit".

Ein wichtiger Punkt unseres Vereins und dieser Veranstaltung war und ist: Hier gilt nicht wie in einem herkömmlichen Museum "Berühren verboten" sondern ganz das Gegenteil. Ihr habt die Möglichkeit, Euch überall hinein zu setzten, rein zu schauen oder auch mal das ein oder andere Fahrzeug selber zu bewegen.

Das heißt aber auch, daß man hier nicht immer polierte und optisch einwandfreie Fahrzeuge vorfindet, sondern auch mal das ein oder andere restaurationsbedürftige Automobil oder Motorrad dazwischen steht.